Wissenswertes

Korbinianapfel - Der Apfel im KZ

KZ Dachau - ein Mann über 55-jährig, unter Tausenden dort seit Jahren eingesperrt, etwa 1943 oder 1944. Er bekommt einen Apfel in die Hand, nein wahrscheinlich nicht, das wäre zu viel Luxus - vielleicht einen halb verfaulten Apfel, vielleicht einen Apfelbutzen, abgenagt, verschimmelt. Aber die Kerne sind noch drin, braun und gesund. Den Mann spricht auch hier, in der Trostlosigkeit des Konzentrationslagers, der eingekapselte Funke Lebenskraft an.

 

Er findet eine Ecke im Lager, wo niemand drübertrampelt, tut die Apfelkerne in den Boden - seine alte Leidenschaft für die Obstbaumzucht ist ungebrochen. Das Wunder gelingt, einige Kerne keimen, werden Sämlinge. Er nennt sie KZ 1, KZ 2, KZ 3, und KZ 4. Ein weiteres Wunder: Es gelingt sie aus dem Lager hinauszuschmuggeln, als unauffälliges Päckchen an seine Heimatadresse. Die Sämlinge werden eingepflanzt. Als das KZ am 28. April 1945 befreit wird, kommt er heim. Aus den Pflänzchen zieht er, nach sorgfältiger Auslese ein Apfelbäumchen. Am besten glückt ihm die Sorte KZ 3. Äpfel reifen schließlich, später wird die Sorte "Korbiniansapfel" heißen.

 

Das ist die Geschichte von Korbinian Aigner (1885-1966), er wird 1937 Pfarrer und war damals bereits leidenschaftlicher Pomologe (Apfelsorten-Kundiger). Pfarrer Aigner war bekennender Nazi-Gegner, im Religionsunterricht macht er vor den Kindern eine gewagte Bemerkung: " Ich weiß nicht, ob das Sünde ist, was der Attentäter (Hitler-Attentäter Georg Eisler) im Sinne hatte. Dann wäre halt vielleicht eine Million Menschen gerettet worden." Eine Aushilfslehrerin zeigt ihn an und er kommt in der Folge in das KZ Dachau. Symbol der Apfelkerne: Wie übersteht ein Mensch das KZ? Was bleibt in einem Gedächtnis eingraviert, der Hunger, die Qual der Zähl-Appelle, die völlige Rechtlosigkeit,... Die Apfelkerne, das Apfelbäumchen, das mitten im KZ wächst, und der Apfel, der immer noch gegessen wird, sind ein lebendiges Symbol des Lebensmutes und der Lebenskraft - wie sie auch Korbinian Aigner lebte.

 

Ein Tipp: Den Korbiniansapfel gibts von der Bio-Baumschule Artner in Bad Großpertholz (www.artner.biobaumschule.at)

 

Die Beerenernte ist für heuer beendet!